Samstag, 23. November 2013

Endlich Winter in Scuol!

Während das Flachland mit Schnee und Eis kämpft, freuen wir uns in Scuol darüber, dass der Winter endlich eingezogen ist. Die traumhafte Landschaft, ein Feuer im Cheminée und Schneeflocken vor dem Fenster lassen einen langsam an Weihnachten denken. Hier einige der Unterengadiner Sehenswürdigkeiten im ersten Schnee.


Der Turm von Ardez vom Bahnhof aus. Ach ja, es ist ratsam, das Auto im Unterland zu lassen, wenn man keinen 4 x 4 hat. Da beim ersten Schnee der Boden noch warm ist, taut der Matsch und gefriert am Abend zu einer Eisbahn. Ohne Spikes sind sogar Moonboots und Wanderschuhe mit Profil ziemlich glatt. Hab' ich gestern abend gemerkt, als ich den steilen Weg ins Dorf hinunter nehmen wollte und etliche Meter auf dem Allerwertesten bewältigte!



Hier der Blick, den ich so liebe: Schloss Tarasp vor seiner imposanten Bergkulisse (auch aus dem Zug fotografiert). Vom Auto aus sieht man diesen Blick nicht, da die Strasse tief unten in der Innschlucht verläuft.

Und hier die Morgenüberraschung: Am Abend hat es noch gescheit, am Morgen herrscht Sonnenschein und klare, frische Bergluft. Wo könnte es denn schöner sein (ausser für Insel-Fans)?

Tja, und das Eisfeld hat auch schon offen. Ab 11.00 Uhr liegt es in der Sonne und ist derzeit bei der Dorfjugend äusserst beliebt (Touristen kann man im November an einer Hand abzählen!). Schön für uns, die stille Zeit in Scuol; in einem Monat ist schon wieder Hochsaison Ich freue mich auf Gäste aus Barcelona, Moskau, Holland, Deutschland und der Schweiz ...

Montag, 11. November 2013

Der beste Wetter- und Schneebericht

Einige Wintergäste haben mir geschrieben, dass sie den Wetterberiht aufmerksam verfolgen und sehnlichst auf den ersten Schnee warten. Ihr dürft Euch freuen: In Scuol hat's im Skigebiet schon recht viel Schnee! Hier der direkte Link zur Webcam Motta Naluns: http://www.bergfex.ch/scuol/webcams/c616/.

Den besten Wetterbericht (ist wirklich zuverlässig!) findet Ihr unter http://www.bergfex.ch/scuol/wetter/. Weil Scuol als Binnental ein eigenes Klima hat, kann man die üblichen Wetterberichte hier oben nicht brauchen. Bergfex ist der beste!

Montag, 4. November 2013

Nanu, ist da ein Pferd geschrumpft?

Oberhalb vom Dorf Scuol befindet sich auf ca. 1500 m Höhe der Reiterhof San Jon. Mit gegen 100 Pferden ist er einer der grössten Reiterhöfe der Schweiz. Ein wahres Paradies für Pferdeliebhaber, egal ob Anfänger, "Englisch-Reiter" oder, vor allem, Westernreiter. In San Jon kann man einfach reiten, ausreiten, ein-Tages- oder Mehrtagestrekkings machen und sogar übernachten. Im Winter fahren die Schlitten von San Jon ins tiefverschneite S'Charltal, und im Dorf Scuol gibt es eine Fondue-Kutsche für die Gäste. Schaut mal das tolle Programm an unter www.sanjon.ch. Die Besitzer und Angestellten sind auch richtig, richtig nett. 

Meine Tochter war im Oktober mit einer Gruppe von Freunden auf einem Trekking. Da Anfänger dabei waren, ging es ganz sachte im Schritt, die guten Reiter durften aber am nächsten Tag noch mal so richtig los ... und da ging's dann ab: im Galopp die steilen Hänge hinauf durch den Wald, über die Wiese hinter dem Reiterhof, auf Westernsätteln. "Knauf mit einer Hand festhalten, Zügel mit der anderen!", hiess es, und dann ab die Post. Nora war so begeistert von ihrem mächtigen Schimmel, dass sie am nächsten Wochenende gleich nochmal hin wollte um so richtig frei zu galoppieren. 


Hier bereitet sie ihren Schimmel Elgon vor.


Na so was - ist das Pferd plötzlich geschrumpft?

Nein, sieht nur so aus. Elgon hatte nämlich ein Hufeisen verloren und konnte nicht geritten werden. Kurzerhanad bekam Nora einen anderen Schimmel, einen Halbaraber, entsprechend fein und zierlich. "Hatte aber auch Dampf unter'm Füdli!" (das verstehen nur Schweizer!), meinte meine Tochter nach dem Ausritt.



Ich genoss währenddessen die letzte warme Herbstsonne vor dem Reiterhof im Freilicht-Reiterstübli. Pferdeliebhaber, San Jon ist einen Ausritt wert! Ist übrigens ganz einfach mit dem Postauto zu erreichen (Richtung S'Charl, ca. 10 Minuten ab Scuol).

Samstag, 26. Oktober 2013

Unverhoffte Winterwanderung nach Lü

Mitte Oktober habe ich Freunde bei mir in Scuol zu Besuch gehabt. Sie wollten wandern - Richtung Süden; den Sonnenhang oberhalb von Ftan, Scuol und Sent kannten sie schon. Nur Pech, dass es am Wochenende vorher geschneit hatte, und zwar richtig viel! Nach Süden (alles Nordhänge) lag der Schnee auf allen Wegen, und alle Täler münden in einen Pass über 2000 m Höhe. Gut, die Wanderung war bestellt, und ich erkundigte mich vorsichtshalber mal beim Tourismusbüro, welche Wege denn überhaupt gangbar seien. Ich wählte den leichtesten, die Wanderung von S'Charl nach Lü im Münstertal. Der Pass ist in einer sanften Steigung zu bewältigen und nur 2250 m hoch. Es seien ihn auch schon Leute gegangen, hiess es im Tourismusbüro, also machbar.

Am Morgen um 08.37 nahmen wir das Postauto nach S'charl. Das wilde S'Charltal entlang, mit einem Chauffeur, der sich über die Touristen freute und alle Sehenswürdigkeiten auf dem Weg erklärte. In S'Charl gab es dann erst mal einen Kaffee (auf dem ganzen Weg nach Lü, 13 km, gemäss Beschreibung 4 Stunden - mit Schnee hiess es, 5 Stunden, gibt es im Spätherbst keine Einkehrmöglichkeit).



S'Charl, auf ca. 1800 m Höhe gelegen, ist ein beliebtes Ausflugsziel, besonders im Herbst, wenn die Lärchen sich golden färben. Von dort aus geht es auf einer breiten Naturstrasse (wird im Sommer auch von Kutschen befahren) hinauf zur Alp Astras. Dabei kommt man am Arvenwald von Tamangur vorbei (klingt doch wie im Märchen!). Er ist der grösste und höchst gelegene zusammenhängende Arvenwald von Europa.



Die Arve ist ein einheimischer Baum, dessen Holz unbeschreiblich gut duftet. Die Klosterfrauen von Sta Maria im Münstertal haben vor Jahrhunderten herausgefunden, dass die ätherischen Öle der Arve gesundheitsfördernd sind: Arvenduft beruhigt das Herz und beugt Erkältungen vor, also das Richtige für gestresste Unterländer. Die Apotheke in Scuol verkauft Arvenessenz als Raumduft, der Bioladen selbst gemachte Arvensalbe (herrlich!). Im Wald von Tamangur wächst die Arve bis auf 2400 m Höhe; die älstesten Bäume sind bis zu 700 Jahre alt - ein echtes Naturwunder.


Links im Foto sieht man den Wald von Tamangur, vor uns die Alp Astras, eine riesige Alpfläche, natürlich um diese Jahreszeit längst verlassen. Bis zur Alp Astras war der Weg gut begehbar.


Die Alp liegt auf 1934 m Höhe. Jetzt nur noch ca. 300 m sanfter Aufstieg dem Bach entlang bis zur Passhöhe "Costainas", dachten wir.


Das Foto lässt erahnen, was uns erwartete: Hinter der Alp Astras war der Weg tief verschneit - das heisst, von einem Weg konnte keine Rede mehr sein. Es gab einen Wegweiser und tiefe Fussstapfen, die ca. 50 cm in den Schnee eingesunken waren. Aber wir lassen uns ja nicht lumpen - auf ging's, von Fussstapfen zu Fussstapfen, jeder knietief. Ohne hohe Schuhe und Wanderstöcke wär's aussichtslos gewesen.



Was soll's! Nach ca. 5 km Tiefschnee-Stampfen erwartete uns hinter der Passhöhe ein wunderbarer Blick ins Münstertal (Val Mustair). Wir waren so fertig, dass wir klammheimlich den Zaun zu einer Jagdhütte überkletterten und uns der Länge nach auf die Holzbänke legten um eine Runde zu schlafen. Gerade rechtzeitig, bevor die Besitzer eintrafen (den Salat und das Brot hatten sie schon in den Eingang zur Hütte gestellt) machten wir uns aus dem Staub!



Der Abstieg führt zuerst einige hundert Meter steil auf einem Fahrsträsschen hinunter, dann stetig leicht abschüssig nach Lü (ca. 1900 m). In Lü gibt's ein Restaurant und ein Postauto, das einen hinunter ins Tal bringt. Dort einmal umsteigen und dann auf der herrlichen Route durch den Nationalpark über den Ofenpass hinunter nach Zernez. Dort kann man direkt in die Rhätische Bahn umsteigen, die einen dann nach Scuol bringt. Diese Wanderung mache ich sicher nochmal (ist eigentlich ganz leicht und nicht anstrengend), aber nicht mehr im Tiefschnee!


Sonntag, 13. Oktober 2013

Das Tal der röhrenden Hirsche

Im schönen, warmen, noch sommerhaften September sind meine Scuoler Freundin und ich am Morgen um 8.37 (Haltestelle Scuol Hotel Belvedère) mit dem Postauto ins Val Mingèr gefahren. Von dort aus gibt es eine wunderschöne und leichte, aber lange Wanderung um den Bergstock des Piz Pisoc herum durch den Nationalpark hinauf zur Fuorcla (Passhöhe) und dann hinunter ins Val Plavna.



Bereits wenige Schritte nach der Postautohaltestelle beginnt der Nationalpark. Man steigt langsam bergan durch einen verwunschenen Zauberwald, in dem man Feen und Elfen vermuten könnte. Dichtes Unterholz, grüne, mit Kräutern und Pilzen bewachsene Böden, Lichtungen, Waldwege, auf denen sich die Wurzeln wie urtümliche Kriechreptilien dahinschlängeln.



Langsam geht es talaufwärts, gut zwei Stunden lang, bis man den Rastplatz erreicht. Und die ganze Zeit ist man umgeben von Röhren der brünftigen Hirsche. Jeden Moment meint man, einen sehen zu können. Auf dem Rastplatz stehen Gruppen von Wanderern, mit Fernglas und Teleobjektiv bewaffnet, und haben den Eindruck, die Hirsche hätten nur auf sie gewartet. Nee, aber sicher nicht, wenn man erst nach 08.00 Uhr morgens aufbricht! Wer Hirsche beobachten will, muss vor der ersten Morgendämmerung los! Dann sind sie auf den Lichtungen und äsen. Die Schlafmützen sehen keine mehr, denn die Tiere haben sich gegen 11.00 Uhr längst unter die Bäume zurückgezogen.


Na ja, wenn man keinen Hirsch findet, macht man sich halt selbst dazu. Die Utensilien findet man auf dem Weg zur Passhöhe - einen Baum mit zwei Ästen, die man als Geweih drapieren kann. Na ja, ist halt kein 12-ender...


Auf der Passhöhe dann der Blick auf die eindrücklichen Berge des Val Plavna. Schmal und abschüssig geht es hinunter ins Tal. Die Alphütte war schon geschlossen, dafür war eine Jagdgesellschaft dort. Wir sassen am Nebentisch und hörten dem Jägerlatein zu. Anscheinend hat doch einer eine Kuh geschossen! Künstlerpech!


Das Val Plavna ist über weite Strecken eine Steinwüste, der Bach sucht sich unterirdisch seinen Weg. Deswegen haben wir die Wanderung auch nicht im Sommer gemacht; es werde im Tal unerträglich heiss. Sind wir hier wirklich in der Schweiz, oder doch in Kanada?


Nach ca. 4 Stunden angenehmer, leichter Wanderung durch's Val Plavna steigt man ab nach Tarasp mit seinem schönen Schloss. Von dort aus geht's mit dem Postauto urück nach Scuol. Achtung, keine Verpflegungsmöglichkeit bis Tarasp! Essen und vor allem Getränke mitnehmen; es gibt keine Brunnen auf dem Weg.


Freitag, 20. September 2013

Bernina-Express Pontresina-Poschiavo

Vor einigen Tagen sind wir mit Freunden aus Schottland den Bernina-Express von Pontresina nach Poschiavo gefahren. Eine der spektakulärsten Bahnstrecken in den Alpen! Am Morgen um 08.00 fuhren wir in Scuol ab und waren dann nach einer schönen Fahrt durch's Oberengadin um 09.00 Uhr in Pontresina am Bahnhof. Da der Bernina-Express erst um 09.52 abfährt, bleibt wunderbar Zeit für ein ausgiebiges Frühstück in der Jugendherberge gleich beim Bahnhof (ich liebe Jugis, unkompliziert und freundlich!).

Dann geht's in die Panorama-Wagen im Zug. Glas bis fast zur Dachmitte, so dass man einen wirklich tollen Blick hat! Der Zug windet sich durch den Wald, und bald erhascht man den ersten Blick auf den Morteratsch-Gletscher.


Im Winter kann man mit dem Zug ab Pontresina zur Diavolezza-Talstation fahren, dann rauf und dann den Morteratsch-Gletscher hinunter ... würde ich so gerne mal machen, aber ob ich dafür gut genug skifahren kann?

Nach ca. 1/2h ist man auf der Passhöhe angekommen. Von dort aus kann man hinunter nach Poschiavo wandern, vorbei an einem Gletschergarten mit Gletschermühlen, an einem wunderbaren Wildbach, und dann steil hinunter ins Tal.


Das habe ich letzten Sommer gemacht. In Poschiavo sind wir dann todmüde in den Zug gestiegen, und dann weiter nach Tirano, über die phantastische Rundkehre der rhätischen Bahn bei Brusio. In Tirano den herrlichen Veltliner genossen, übernachtet und am nächsten Tag zurück ...

Diesmal sind wir aber nur nach Poschiavo gefahren. Ca. 11.15 kommt man dort an. Dann hat man 3 1/2 Stunden Zeit um das Renaissance-Dorf zu entdecken (das ist mehr als reichlich!) und die lokalen Spezialitäten zu geniessen. Willie, unser 80-jähriger Fischerfreund aus den schottischen Highlands, probierte eine Polenta, die er aber schrecklich fand. Dabei schmeckt sie doch nicht so anders als Porridge, oder?

Um 15.07 fährt der Bernina-Express zurück nach Pontresina, wo er um ca. 16.30 Uhr ankommt. Danach hat man noch alle Zeit der Welt für die Oberengadiner Seen, St. Moritz (huh, sooo schick!), und dann zurück nach Scuol. Sehr zu empfehlen! Achtung: spontan geht's nicht - unbedingt für den Bernina-Espress Plätze reservieren!



Sonntag, 8. September 2013

Die Bündner Jagd hat angefangen


Die Bündner Jagd hat am vergangenen Montag angefangen. Unsere ganze Familie war mit lieben Freunden aus Schottland in Scuol - wir haben sie vor Jahren dort oben beim Fischen kennen gelernt. Am Montag sind wir nach S'Charl gefahren, am Rande des Nationalparks. Bereits als wir die ersten Häuser erreichten, sahen wir dieses Jagdstilleben. Das Fernsehen war auch da und machte Interviews. Tja, die Jagd gehört zu Graubünden wie der Whisky zu Schottland! Im September kann man keine Termine mit Handwerkern, Bauamt, auch nicht mit meinem Gartenhelfer ausmachen - alle sind weg! Und wir profitieren davon: Im Restaurant "Crusch Alba" in S'Charl gibt es die herrlichsten Wildspezialitäten. Sehr zu empfehlen!